„Deliberate Practice“ ein ungenutztes Erfolgsmuster für Führungskräfte?

1. Februar 2012

Veröffentlicht von Henrik Schuermann in : Best Practice, Erfolgsmuster, Leadership , einen kommentar schreiben

Inspiriert durch das Buch Drive von Daniel Pink bin ich auf den Begriff der „deliberate Practice“ gestoßen. Geprägt wurde der Begriff durch Anders Ericsson, der sich unter anderem in seiner Forschung mit den Praktiken und Erfolgsmustern von Experten und Spitzenleistern, insbesondere im Bereich des Sports, der Musik oder der Kunst beschäftigt.

Deliberate Practice beschreibt eine besondere Form der kontinuierlichen Verbesserung und des Übens, nämlich das zielgerichtete, aktive und bewusste Üben. Dabei ist insbesondere wichtig dass:

Es ist nun leicht vorstellbar, dass die kontinuierliche Verbesserung in einer Sportart oder in der Musik so erfolgt. Das ausdauernde Training mit einem guten Coach an der Seite, der sofort eine Rückmeldung gibt garantiert über einen längeren Zeitraum eine messbare Leistungsverbesserung.

Wenn Spitzenleistungen im Sport so erzielt werden können, stellt sich dann nicht auch die Frage, was Führungskräfte in ihrer Praxis daraus für sich ableiten können?

Aus meiner Sicht gibt es für jede Führungskraft Bereiche, für die es sich lohnen kann mit der Trainingsmethode eines Spitzensportlers vorzugehen. Es sind die Bereiche mit der eine Führungskraft jede Woche viel Zeit verbringt, die sich immer wiederholen und wo der Anspruch auf Spitzenniveau zu agieren hilfreich ist.

Ich meine zum Beispiel Meetings, Rücksprachen mit Mitarbeitern, sowie alle Arten von Vorträgen. Diese 3 Führungsklassiker, die in einer normalen Woche einiges an Arbeitszeit bindet, könnten mit der Haltung der „deliberate Practice“ substantiell optimiert werden.

Was wäre, wenn Sie sich nach jedem Meeting überlegen, was Sie als Verantwortlicher verbessern können und das im nächsten Meeting direkt ausprobieren, um sich wieder zu fragen, ob es diesmal schon besser als beim letzten Mal war?

Dies mutet vielleicht im ersten Moment etwas ungewöhnlich an, aber wenn sie ihre Gedanken kurz schriftlich festhalten und vor dem nächsten Meeting noch einmal durchlesen haben sie schon einen ersten Schritt getan. Zusätzlich messen sie ihren Fortschritt in der Länge des Meetings bis sie ein Optimum gefunden haben. Und wenn Sie als Führungskraft dieses Wissen, dann noch an ihre Führungskräfte und ihre Mitarbeiter weitergeben, haben Sie einen doppelten Nutzen.

Auch die Rücksprachen mit Mitarbeitern, die meistens ritualisiert ablaufen, könnten so viel zielführender gestaltet werden. Fragen Sie doch mal ihre Mitarbeiter was sie im Austausch mit Ihnen als wertvoll ansehen und wie sie diesen Wert in den nächsten Wochen steigern können. Auch hier hilft eine Verschriftlichung ihres Lernfortschrittes.

Bei Präsentationen kenne ich Führungskräfte, die ihre Vorträge immer grundsätzlich auf Video aufnehmen (lassen), um Ansatzpunkte für eine Verbesserung zu finden. Videofeedback ist die ehrlichste Form der Rückmeldung und zeigt auf einfache Art und Weise auf, welche Ansatzpunkte es gibt. Nehmen Sie sich nach jedem Vortrag einen konkret wahrnehmbaren Punkt vor, den sie beim nächsten Mal besser machen wollen  und überprüfen Sie dann ob es Ihnen auch gelungen ist.

Darüber hinaus gibt es noch weitere Anwendungsfälle in ihrer Führungspraxis, die mir dieser Haltung verbessert werden können.

Sie finden das zu anstrengend? Dann sind sie auf dem richtigen Weg, denn auch Spitzensportler fluchen manchmal über ihr Training.

Interviews von Prof. Kruse, die sich lohnen

9. September 2009

Veröffentlicht von Henrik Schuermann in : Change Management, Enterprise 2.0, Leadership , einen kommentar schreiben

Prof. Peter Kruse hat in den letzten 2 Jahren einige sehenswerte Interviews zum Thema Vernetzung  sowie der Nutzung von kollektiver Intelligenz zur Lösung von komplexen Problemstellungen unserer Zeit gegeben. Ulrike Reinhard hat sie übersichtlich zusammengefasst. Insbesondere die 22 Fragen auf doppelt soviele Antworten lohnen sich für alle, denen die zunehmende Dynamik und Komplexität im Rahmen ihrer Veränderungsarbeit Kopfzerbrechen bereitet. Nach dem Genuss der Videos gibt es natürlich kein Patentrezept, aber eine gemeinsame Sprache für die zu lösenden Probleme, viel Spass damit.